Die Natur als Lehrmeisterin

Artikel in der Badischen Zeitung vom 11.10.2013.

Wildnistrainer Uwe Belz aus Bad Münstereifel (links) zeigte, wie das Feuermachen in freier Natur funktioniert.
Wildnistrainer Uwe Belz aus Bad Münstereifel (links) zeigte, wie das Feuermachen in freier Natur funktioniert. Copyright: Andreas Braun/Badische Zeitung

Mit einer Fachtagung beging der Verein "Naturschule Freiburg" sein 25-jähriges Bestehen. 

LITTENWEILER. Wildnispädagogik und "Coyote Teaching" – die Art des Lehrens, wie es bei Naturvölkern praktiziert wird – standen mit auf dem Programm der Fachtagung, mit der die Naturschule Freiburg am Mittwoch und Donnerstag ihr 25-jähriges Bestehen beging. Das Motto der Veranstaltungen in der Waldhof-Akademie in Littenweiler, zu denen rund 80 vorwiegend weibliche Teilnehmer aus ganz Deutschland kamen, lautete "Lernen in der Natur".

 

Gespannt waren die Teilnehmer, als Kursleiter Uwe Belz sie am Mittwochnachmittag in den Wald führte: Der 49-jährige Yoga- und Wildnislehrer aus Bad Münstereifel ist schließlich ein Schüler von Tom Brown, Amerikas Outdoor-Mann Nummer eins. Und als solcher verbrachte Belz selbst ein Jahr in der Wildnis – in einem unwegsamen Gebiet im Osten der USA.

 

Beeren sammeln und Hütten bauen standen am Mittwoch jedoch nicht auf dem Programm: zum einen, weil die Zeit dafür zu kurz war, zum anderen aber auch, weil das reine Überlebenstraining nur ein Teil dessen ist, was Wildnispädagogik in ihrer Gesamtheit ausmacht. "Es geht vor allem um ein ganzheitliches Naturverständnis", betonte Uwe Belz. Die zum Leben in und mit der Natur benötigten Techniken und Fertigkeiten stellten ein besonderes Medium dar: "Wer in der Wildnis zurechtkommen will, merkt schnell, dass dies nur durch Kommunikation und Kooperation möglich ist", erläuterte Belz. Aber auch Inspiration, Vertrauen und motorische Fähigkeiten würden gefördert: "Draußen schaut man auf das, was man kann, und entwickelt es weiter." Ebenso würden die Sinne beim Leben in der Wildnis neu aktiviert. "Das merkt man schon, wenn man beim Feuermachen Blasen an den Händen kriegt", sagte Belz, der diese Technik an einem Grillplatz demonstrierte. Er rieb einen Holzstab gegen einen anderen, indem er ihn zwischen den Handflächen rotieren ließ, bis die entstehende Glut ein Büschel Heu entzündete.

 

Mehrere Teilnehmer sahen dann gleich auch Möglichkeiten, einzelne Elemente der Wildnispädagogik in ihren Berufsalltag einzubinden. "Das Erleben der Natur kann Kindern helfen, zur Konzentration zu finden", meinte beispielsweise Erzieherin Denise Kaufmann aus Karlsruhe. Und Markus Stickling aus Freiburg sah darin eine wichtige Ergänzung zum Schulalltag. "Selbsterfahrung und Sensibilität werden gefördert", war sich der selbständige Naturpädagoge sicher.

 

Im Programm der Naturschule sind Wildnispädagogik-Seminare noch recht neu. "Gerade läuft der vierte Kurs an", erläutert Geschäftsführer Matthias Wörne. Ein wesentliches Merkmal des "Coyote Teaching" sei der damit verbundene Ansatz zur Wissensvermittlung: Der Lernende wird – statt dass er direkte und vermeintlich abschließende Antworten erhält – ermuntert, selbst Antworten zu finden und die eigene Neugier nicht zu verlieren. "Es geht um Lernen von sich selber aus, um Achtung vor der eigenen Person", betont der Sozialpädagoge. Die Wildnispädagogik sei eine wichtige Ergänzung und Fortführung bereits etablierter Angebote der Naturschule, wozu unter anderem Weiterbildungen in Natur- und Wildkräuterpädagogik sowie zum Thema "Kindergarten im Wald" gehörten.

 

Mit der Resonanz auf die Jubiläums-Tagung zeigten sich die Veranstalter zufrieden. "Wir waren ausgebucht, einzelne Anfragen konnten leider nicht mehr berücksichtigt werden", erläuterte Hydrologin Nathalie Schott vom Freiburger Büro der Naturschule. Gründe für diese starke Nachfrage könnten, so Matthias Wörne, die gelungene Mischung aus Theorie und Praxis sowie die Anwesenheit namhafter Referenten gewesen sein.

25 Jahre Naturschule

Mit der Pflanzung einer Esche im Mensapark der Uni gründeten Studenten der Pädagogischen Hochschule Freiburg 1988 den Verein mit dem etwas sperrigen Namen "Weltenesche - Ganzheitliche Bildungsstätte". Fünf Jahre später erfolgte die Umbenennung in "Naturschule Freiburg". 1995 wurde der Verein als freier Träger der Umwelthilfe anerkannt, 2002 mit dem Naturschutzpreis des Landes Baden-Württemberg ausgezeichnet. Als Anbieter naturpädagogischer Fort- und Weiterbildungen hat sich die Naturschule überregional einen Namen gemacht: Derzeit ist sie an 13 Standorten in acht Bundesländern sowie ab 2014 auch in Luxemburg präsent. Seit Bestehen haben mehr als 5000 Erwachsene und rund 1000 Kinder an den Veranstaltungen teilgenommen. Der Verein mit Hauptsitz in Freiburg beschäftigt sieben hauptamtliche sowie mehr als hundert freie Mitarbeiter. Sein Jahresumsatz beträgt etwa 400 000 Euro. 99 Prozent der Einnahmen, so Geschäftsführer Matthias Wörne, stammen aus Kursgebühren, der Rest sind Mitgliedsbeiträge und Spenden. Infos:   0761/ 24408, http://www.naturschule-freiburg.de  

 

Originalartikel: http://www.badische-zeitung.de/freiburg/die-natur-als-lehrmeisterin--76041170.html

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